Minderjährig schwanger
– und jetzt?

 

Minderjährige Schwangere brauchen ganz besondere Unterstützung. Meist ist die frühe Schwangerschaft ungeplant und stellt das Mädchen bzw. die junge Frau und ihr soziales Umfeld vor viele Fragen, Unsicherheiten und Problemen. Für schwangere Teenager ist es besonders wichtig, sich zunächst einmal mit den eigenen Gefühlen auseinander zu setzen. Die Entscheidung für ein Kind wird das eigene Leben grundlegend verändern. Aber auch die Entscheidung, die Schwangerschaft abbrechen zu lassen, erfordert viel Verantwortung. Bedeutend ist es daher, frühzeitig Hilfe und Beratung zu erhalten, um Klarheit zu bekommen, wie es nun weitergehen soll. Es gibt keine Entscheidung, die richtig oder falsch ist. Wesentlich ist allein der Weg, den die Schwangere für sich wählt.

Folgende Punkte sollen eine Übersicht darüber geben, welche Überlegungen für minderjährige Schwangere hilfreich sind und wo es weitere Informationen und Hilfen gibt.

Die Information wendet sich vorrangig an minderjährige Schwangere. Aus diesem Grund wird die persönlichere Du-Anrede verwendet.



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Schwanger! Wie sag ich’s den anderen?

Dir ist unwohl bei dem Gedanken, den eigenen Eltern oder dem Vater des Kindes von der Schwangerschaft zu erzählen? Vielleicht hast du keinen festen Freund oder dein Freund wird nicht gerade begeistert sein, wenn er von der Schwangerschaft erfährt? Deine eigenen Eltern können vielleicht vorwurfsvoll oder gar wütend reagieren?
Und vielleicht siehst du dich oft mit der Frage konfrontiert, wie das denn nur passieren konnte…?

Nach Möglichkeit solltest du dir vorab Gedanken machen, was die Schwangerschaft für dich bedeutet oder welche Folgen sie für dich haben kann, bevor du die Gedanken und Meinungen anderer Menschen zu hören bekommst. Manchmal ist das, was andere Personen sagen oder vorschlagen sehr verwirrend oder auch verletzend. Besonders jetzt in der Situation, die dich vielleicht eh schon in ein emotionales Chaos gestürzt hat.

Dann ist es wichtig, dass du dir vorher überlegt, wie du selbst zu deiner Schwangerschaft stehst und was für dich gut oder eher belastend ist.

Zu allererst solltest du dir überlegen, wem du von der Schwangerschaft erzählen möchtest und wann du dies tun willst. Vielleicht ist es eine gute Freundin, die Vertrauenslehrerin oder der Vertrauenslehrer in deiner Schule oder eine Arbeitskollegin, zu der du Vertrauen hast. Manchmal ist es vielleicht sogar gut, erst mit jemandem ganz anderen zu reden, der bereits viel Erfahrung mit dem Thema hat. Die Bundeskampagne www.schwanger-und-viele-fragen.de hat die kostenlose Telefonnummer 0800-40 40 020, die du jederzeit erreichen kannst. Vielleicht ist das eine erste Anlaufstelle für dich?

Zu empfehlen ist auf alle Fälle ein persönliches Gespräch mit einer Beraterin oder einem Berater in einer Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen.

Auf der Internetseite www.schwanger-unter-20.de findest du umfangreiche Informationen zu deiner Situation. Vielleicht ist auch der folgende Beitrag aus einem YouTube-Blog für dich interessant: "Ich bin schwanger- Was soll ich tun?"

Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen

Wenn du Bedenken vor dem Gespräch mit dem Vater des Kindes oder deinen Eltern hast, kannst du dich auch an eine Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen wenden. Die Beraterinnen und Berater verstehen deine Probleme und wissen, wie wichtig gerade für junge Schwangere Beratung und Hilfe ist. Hier bekommst du auch kurzfristig einen Termin und kannst vertraulich besprechen, wie und wann du die Schwangerschaft deinen Eltern oder dem Vater des Kindes mitteilst. Bei der Wahl der Beratungsstelle bist du nicht festgelegt. Du kannst auch eine Beratungsstelle außerhalb deines Wohnortes wählen, wenn dir das lieber ist.

In weiteren Terminen können dann alle anderen wichtigen Dinge geklärt werden, auch zusammen mit deinen Eltern oder dem Vater des Kindes oder einer Freundin, wenn du es möchtest. Du bist aber nicht verpflichtet, andere Personen an den Gesprächen teilnehmen zu lassen – du kannst auch alleine in die Beratungsstelle gehen.

Das Beratungsgespräch ist selbstverständlich streng vertraulich und du kannst dich auch anonym, also ohne Nennung deines Namens, beraten lassen.

Bei den Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen erhältst du zum Beispiel

  • Informationen über das Leben mit einem Kind und über die damit verbundenen Veränderungen
  • Informationen über finanzielle Hilfen, z. B. auch aus Mitteln der „Landesstiftung Hilfe für Mutter und Kind“
  • Hilfestellung bei der Beantragung und Vermittlung weiterer Hilfen, z. B. durch das Jugendamt
  • Informationen über Mutter-Kind-Häuser oder Pflegefamilien, über die Möglichkeit der vertraulichen Geburt, Freigabe des Kindes zur Adoption und zum Schwangerschaftsabbruch
  • Beratung und Unterstützung bei vielen offenen Fragen, die sich dir im Laufe der Zeit stellen werden.

Übrigens: die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen sind nicht nur während der Schwangerschaft und bis kurz nach Geburt für dich da. Das Beratungsangebot gilt bis zum dritten Geburtstag deines Kindes.

Hier erhältst du weitere Information über die Arbeit der Schwangerschaftsberatung.

Eigene Gruppenangebote für junge Mütter gibt es u.a. in Augsburg mit dem Projekt „mama mia“ und in München mit dem Projekt „Amanda“.

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Der Vater des Kindes

Auch wenn der Vater sich vielleicht noch kein Kind gewünscht hat: Er hat ein Recht, von der Schwangerschaft zu erfahren.

Und auch das Kind hat ein Recht auf seinen Vater, deshalb solltest du nach Möglichkeit das Gespräch suchen. Auch für einen jungen Mann ist es meist ein Schock, wenn er von der Schwangerschaft erfährt. Er wird erst einmal Zeit brauchen, die Nachricht zu verarbeiten.

Eine Entscheidung für oder gegen das Kind wird für euch beide leichter zu tragen sein, wenn es eure gemeinsame Entscheidung ist.
Solltet ihr euch nicht einig sein und verschiedene Meinungen haben, ist es trotzdem wichtig, dass ihr euch ausgetauscht habt.
In jedem Fall wird von euch beiden eine Entscheidung getroffen, die euer ganzes weiteres Leben prägt.

Auch der Vater kann sich mit seinen Fragen an die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen wenden. Es gibt eine eigene Infoseiten für minderjährige Väter im Internet unter www.schwanger-unter-20.de/vater-werden.

Die eigenen Eltern

Wahrscheinlich sind deine Eltern von der Schwangerschaft genauso überrascht wie du selbst. Begeistert werden Sie eher nicht sein, dass ihr „Kind“ nun selber ein Kind bekommt.

Vielleicht habt ihr ein gutes Verhältnis und du kannst offen mit deinen Eltern oder einem Elternteil sprechen. Wenn deine Eltern dir ihre Hilfe anbieten, solltest du überlegen, wie und in welcher Form du diese annehmen möchtest oder kannst. Vielleicht wohnst du weiterhin bei deinen Eltern – oder ist dir eine eigene Wohnung jetzt sehr wichtig? Betreuen deine Eltern das Kind, wenn du in der Schule oder der Ausbildung bist, oder möchtest du das nicht? Fühlst du dich aufgehoben und unterstützt von deinen Eltern – oder ist ein wenig mehr Abstand jetzt notwendig? Welchen Einfluss haben deine Eltern auf dich und dein Kind? Welche neuen Rechte und Pflichten gibt es für deine Eltern durch die Geburt deines Kindes? Auch darüber bekommst du Auskunft in der Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen.

Vielleicht ist dein Verhältnis zu deinen Eltern aber auch nicht so gut und du bist unsicher, wie du es ohne Hilfe deiner Eltern schaffen kannst. Die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen und das Jugendamt werden dich begleiten und aufzeigen, welche Möglichkeiten es für dich und dein Kind gibt.

Speziell für deine Eltern gibt es hier einen Elternbrief zum Thema „Teenagerschwangerschaften“.

Das Jugendamt

Jugendämter bieten Kindern, Jugendlichen und deren Eltern Beratung und Unterstützung an, zum Beispiel in Erziehungsfragen, in rechtlichen Angelegenheiten oder bei Problemen, die das Wohl des Kindes gefährden könnten. Minderjährige Schwangere, Mütter oder Väter können sich immer an das Jugendamt wenden. Beratung und Hilfestellung sind kostenlos.

Das Jugendamt hilft zum Beispiel

Schule und Ausbildung

Schule

Eine Schwangerschaft bedeutet weder, dass du die Schule verlassen musst, noch dass deine Schulpflicht (in Bayern inklusive Berufsschulpflicht 12 Schuljahre) durch die Geburt deines Kindes automatisch beendet ist.

Wende dich am besten frühzeitig an die Vertrauenslehrer deiner Schule oder an die Schulsozialarbeiter. Auch andere Lehrer, zu denen du einen guten Kontakt hast, kannst du ins Vertrauen ziehen. Gemeinsam mit der Schulleitung werdet ihr besprechen, welche Möglichkeiten es für dich gibt, während der Schwangerschaft und nach Geburt deines Kindes, weiterhin am Unterricht teilzunehmen.

Es kann sein, dass dir alles zu viel wird und du besonders in den ersten Monaten nach der Geburt längere Zeit aussetzen möchtest. Auch hierfür gibt es Möglichkeiten. Wichtig ist jedoch, dass du nie das Ziel aus den Augen verlierst, deinen Schulabschluss in absehbarer Zeit nachzuholen.

Mehr zum Thema „Schwanger in der Schule“ findest du hier.
 

Ausbildung

Auch für Schwangere in Ausbildung gelten die Regelungen zum Mutterschutz. Du solltest daher deinen Ausbildungsbetrieb über die Schwangerschaft informieren. Für Schwangere gilt ein besonderer Arbeits- und Kündigungsschutz; du darfst zum Beispiel keine schweren körperliche Arbeiten ausüben und für die Zeit vor (sechs Wochen) und nach Geburt (acht bzw. zwölf Wochen) gilt ein Beschäftigungsverbot. Auch darf dir aufgrund deiner Schwangerschaft nicht gekündigt werden. Mehr zum Mutterschutz vor Geburt  bzw. zum Mutterschutz nach Geburt erfährst du hier.

Um nach der Geburt deines Kindes deine Ausbildung wieder aufzunehmen und deinen Berufsabschluss machen zu können, solltest du dich frühzeitig um die Kinderbetreuung kümmern. Auch hier können dich die Beraterinnen und Berater der Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen unterstützen. Eventuell gibt es auch die Möglichkeit, die Ausbildung für eine gewisse Zeit ruhen zu lassen oder als Teilzeitausbildung weiterzuführen.

Elterliche Sorge minderjähriger Eltern

Unter elterlicher Sorge versteht man nach § 1626 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch)die Pflicht und das Recht der Eltern, für ihr Kind zu sorgen. Die elterliche Sorge umfasst die Sorge für die Person des Kindes (Personensorge) und das Vermögen des Kindes (Vermögenssorge). Die Sorgerechtsregelungen sind zum Teil relativ kompliziert. Es empfiehlt sich daher für minderjährige Schwangere sich immer vom Jugendamt informieren und beraten zu lassen.

Grundsätzlich gilt:
Bis zur Volljährigkeit der (unverheirateten) minderjährigen Mutter erhält das Kind einen gesetzlichen Vormund. Dieser wird durch das Familiengericht bestellt und vertritt als gesetzlicher Vertreter das Kind in allen rechtlichen Belangen. Die minderjährige Mutter hat zusammen mit dem Vormund das Personensorgerecht. D.h. sie bestimmt den Namen ihres Kindes und hat das Recht und die Pflicht, das Kind zu pflegen, zu erziehen, zu beaufsichtigen und seinen Aufenthalt zu bestimmen.

Die Großeltern, in diesem Fall die Eltern der minderjährigen Mutter, üben zwar bis zur Volljährigkeit das Personensorgerecht für ihre Tochter aus. Dies erstreckt sich jedoch nicht auf das Enkelkind. Eine Ausnahme besteht nur, wenn die Großeltern durch das Familiengericht zum Vormund des Kindes bestimmt wurden.            

  

Zusätzliche Informationen

Baby-Timer

Alle wichtigen Termine im Blick: Vom Beginn der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr Ihres Kindes. Zum Baby-Timer

 

Elternbriefe

Infos zu den Elternbriefen
www.elternbriefe.bayern.de