Vater sein - psychosoziale Aspekte der Vaterschaft

 

Jetzt ist alles anders: Glücksgefühle und Verantwortung

Meist war die Zeit vor der Geburt spannend, ereignisreich und von der Vorfreude auf das eigene Kind geprägt. Möglicherweise waren aber auch viele Veränderungen notwendig: eine größere Wohnung, vielleicht Schwierigkeiten mit der neuen Rolle als Vater oder Mutter?
Fest steht: wenn das Baby da ist, verändert sich (fast) alles, auch für den Vater!

Manche Männer haben die Schwangerschaft ihrer Frau oder Freundin sehr nah miterlebt. Sie haben den Bauch wachsen sehen, mit dem Ungeborenen gesprochen und die Schwangere zu den Vorsorgeuntersuchungen begleitet. Andere haben während der Schwangerschaft noch keinen engeren Kontakt zum Baby gespürt und können sich noch gar nicht vorstellen, wie es dann sein wird, wenn es plötzlich da ist…

Väter bei der Geburt

Für die meisten Väter ist es ein ganz besonderer Moment im Leben, wenn ihr eigenes Kind geboren wird. Sie möchten bei der Geburt mit dabei sein und diese miterleben. Jedes Paar kann selbst entscheiden, ob der Vater die Geburt miterlebt und was er für die Gebärende tun kann. 
Wenn der Vater die Geburt miterlebt, ist das ein unvergesslicher Moment und in den meisten Fällen für alle Beteiligten sehr bewegend.
Bei den meisten Männern stellen sich ungeahnte Glücksgefühle ein, wenn sie ihr Kind in den Armen halten, und vor allem beim ersten Kind zugleich das Wissen: jetzt ist nichts mehr wie zuvor!

Informationen zu Begleitpersonen bei der Geburt finden Sie hier.
 

 Väter übernehmen wichtige Aufgaben – vom ersten Tag an

Wahrscheinlich gibt es schon kurz nach der Geburt einige Dinge zu erledigen, wie Behördengänge oder den Einkauf für die Zeit, wenn Mutter und Kind zu Hause sind.
Verwandte und Freunde, die die freudige Nachricht erfahren möchten, sind zu informieren.

Die erste Zeit mit dem Neuankömmling empfinden die frischgebackenen Eltern manchmal als stressig. Das Neugeborene muss erst seinen Rhythmus finden, Mutter und Vater und evtl. Geschwister müssen sich an das Baby gewöhnen und vielleicht braucht die Mutter nach der Geburt noch viel Ruhe um Kraft schöpfen zu können für die nächsten Wochen und Monate. Die Zeit des Wochenbetts ist für das Baby und die Mutter bzw. Eltern-Kind-Bindung sehr wichtig.
Deshalb sollte sich die ganze Familie in den ersten Wochen soviel Ruhe wie möglich gönnen.

Wenn Sie als Vater in der ersten Zeit nach der Geburt Urlaub nehmen können, ist das sicherlich sehr vorteilhaft. Der Haushalt muss geführt und vielleicht auch ältere Kinder betreut werden.
Auch Hilfe aus der Verwandtschaft oder dem Freundeskreis sollten Sie in Betracht ziehen – die Zubereitung einer Mahlzeit oder der Gang in die Apotheke kann gerne auch einmal von anderen Personen übernommen werden. Schließlich möchten Sie als frischgebackener Vater ja auch Zeit mit Ihrem Kind und Ihrer Partnerin verbringen.
Hier gibt es mehr Infos zum Wochenbett.

Veränderung der Paarbeziehung

Bei manchen Familien spielt sich der Alltag schnell ein, andere brauchen etwas länger. Viele unterschiedliche Faktoren wirken auf die Familie und die einzelnen Familienmitglieder ein.

Nicht immer gelingt die Umstellung der Familie problemlos und schnell:
Manche Babys brauchen sehr viel Aufmerksamkeit, schlafen wenig oder schreien viel (Schreibabys).
Für einige Eltern bedeutet die Umstellung auf die Mutter- oder Vaterrolle zunächst einen großen Verzicht und viel Arbeit. Dass nun das Baby im Mittelpunkt steht und eigene Bedürfnisse zurückgestellt werden müssen, ist für viele Eltern nicht leicht. Kommen Schlafmangel oder andere Probleme hinzu (wie Geldsorgen, Streit mit dem Partner, Krankheit des Babys oder mangelnde Unterstützung von außen) können die Eltern erschöpft oder auch frustriert sein:

Gedanken wie „So hatte ich mir das nicht vorgestellt“ oder „Wo bin ich denn nun hineingeraten?“ sind da keine Seltenheit…

Für Väter ist es oft befremdlich, wenn die Frau oder Partnerin sich nun vermehrt dem Baby zuwendet oder nicht mehr so belastbar ist wie vor der Geburt des Babys. Auch ein verändertes Sexualleben oder eine Verschiebung der Prioritäten in der Partnerschaft oder im Familienalltag sind für manche Männer nur schwer zu akzeptieren.

Zu allererst sollten Sie offen und ehrlich das Gespräch mit Ihrer Partnerin suchen. Wenn Dinge unausgesprochen bleiben, entstehen mit der Zeit oft Missverständnisse, die die Paarbeziehung beeinträchtigen.
Hier kann ein Gespräch mit einem guten Freund oder anderen Vätern helfen.

Hilfestellungen zur Kommunikation in der Partnerschaft bietet die DVD „Gelungene Kommunikation - Damit die Liebe bleibt“.


Den Alltag neu organisieren

Wichtig ist, dass beide Partner regelmäßig auch familienfreie Zeiten haben, also ihren Hobbys nachgehen oder Freunde treffen können.
Genauso wichtig sollte aber die gemeinsame kinderfreie Zeit für die Eltern sein: einmal abends essen gehen oder ins Kino gehen.
Ist es aus finanziellen Gründen oder wegen einer geeigneten Betreuungsmöglichkeit nicht realisierbar, dann machen Sie es sich abends zu Hause gemütlich, suchen Sie ein Gespräch, tun Sie sich Gutes oder laden Sie Freunde ein.

Die Partnerschaft muss genau so gepflegt werden wie die Beziehung zu den Kindern oder zu Freunden.

Gerade Familien mit mehreren Kindern müssen sich oft ihre Zeit sehr genau einteilen: wer fährt mit dem Jüngsten in den Schwimmkurs, wer kümmert sich um das kranke Baby und was ist mit der geplanten familienfreien Zeit für die Mutter? Wenn beide Eltern berufstätig sind, kann es terminlich manchmal ganz schön eng werden. Umso wichtiger sind eine gute Organisation und der Ausbau eines sozialen Netzwerkes. Wenn die Nachbarin ein Kind mit zum Turnen nehmen kann und die Freundin vom Einkauf gleich noch Windeln mitbringt, ist das oft schon entlastend.


„Das ist mein Papa!“ Kinder brauchen ihre Väter

Wichtig für die seelische und soziale Entwicklung des Kindes ist ein guter und regelmäßiger Kontakt zu beiden Elternteilen: Mutter und Vater!
Die Pflege und Erziehung des Kindes wird heute aufgrund vermehrter Trennungen / Scheidungen oft von nur einem Elternteil übernommen.
Gerade der Kontakt zu den Vätern findet manchmal überhaupt nicht statt.
Aber auch in Familien, in den Mutter und Vater zusammenleben, haben die Kinder meist weniger Kontakt zum Vater, da dieser oft in größerem Umfang erwerbstätig ist als die Mutter.

Manchmal kommt es dem Vater vielleicht so vor, als wäre er für seine Kinder weniger wichtig, weil diese einen stärkeren Bezug zur Mutter haben. Wenn Mutter und Kinder ein „eingespieltes Team“ bilden, da sie den Alltag überwiegend ohne den Vater verbringen, kann sich der Vater vielleicht sogar überflüssig vorkommen.

Der Vater ist jedoch für die Kinder genauso wichtig wie die Mutter.

Oft müssen Väter sich die Beziehung zu ihren Kindern erst erarbeiten, indem sie immer wieder bewusst den Kontakt suchen und sich eigenverantwortlich in die Erziehung und Betreuung der Kinder einbringen.
Hier sollte auch die Mutter den Vater unterstützen, indem sie seine unterschiedliche Herangehensweise akzeptiert und auch den Kindern gegenüber signalisiert, dass sich der Vater genauso gut und genauso gerne um sie kümmert.

Weiteres über die Bedeutung des Vaters für die kindliche Entwicklung finden Sie hier:
Familienplanung: BZgA - Interview: „Das sollte sich kein Vater entgehen lassen“

 

 Hilfe in schwierigen Situationen


Für Väter kann das Leben mit Kind / Kindern sehr schön, spannend und abwechslungsreich sein. Es können aber auch Gefühle der Überforderung, Niedergeschlagenheit, Erschöpfung oder Traurigkeit auftreten.
Neben der Verantwortung für die Kinder und dem Engagement als Familienvater steht fast immer auch der Beruf und die damit verbundene Verantwortung.

Viele Väter können sich ihre Arbeitszeit nicht frei einteilen, sie stehen unter Konkurrenzdruck oder bemühen sich um berufliches Weiterkommen.

Es gibt auch Väter, die sich nicht so recht mit ihrer Rolle als Familienvater anfreunden können. Väter, die verunsichert sind, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten oder die unter den Partnerschaftsproblemen mit Ihrer Frau leiden, seit der Nachwuchs da ist.

Oft entlastet ein Gespräch mit einem Freund oder Arbeitskollegen, der ebenfalls Vater ist.

In der Zeit nach der Geburt können Hebammen Hilfestellungen anbieten und bei Bedarf an geeignete Personen oder Institutionen weitervermitteln.
Die
Beratungsstellen für Schwangerschaftragen stehen Vätern natürlich jederzeit offen.  


 

Zusätzliche Informationen

Baby-Timer

Alle wichtigen Termine im Blick: Vom Beginn der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr Ihres Kindes. Zum Baby-Timer

pdf als Download

Elternbriefe

Infos zu den Elternbriefen www.elternbriefe.bayern.de